Das Lätti-Quartier weist in den letzten Jahrzehnten den grössten Einwohnerzuwachs der Gemeinde Rapperswil auf und ist mit ca. 480 Einwohnern die zweitgrösste Siedlungseinheit der Gemeinde (neben dem Hauptdorf Rapperswil mit ca. 630 Ew.). Die Lätti-Bewohner und -bewohnerinnen sind grösstenteils Neuzuzüger aus anderen Gemeinden. Ein Grossteil von ihnen arbeitet in der Stadt Bern oder angrenzenden Agglomerationsgemeinden. Insofern ist das Lätti-Quartier Teil einer ländlichen Gemeinde, seine Bewohner führen aber ein eher städtisches oder stadtorientiertes Leben. Dieses Phänomen ist in Agglomerationsgebieten und zunehmend auch darüber hinaus, stark verbreitet und wird als ‚Suburbanisierung’ bezeichnet (siehe dazu im Lehrmittel ‚Geographie - Wissen und verstehen’, Seiten 278 – 281).
Die Suburbanisierung ist unter anderem eine Folge davon, daß viele Menschen den Wunsch haben, in ländlicher Umgebung und doch stadtnah zu wohnen. Deshalb ist die Nachfrage nach Bauland für Einfamilienhäuser im Grünen sehr gross; ein Wunsch, der in städtischen Gebieten, wo der Boden knapp und teuer ist, für durchschnittliche Einkommen kaum mehr realisiert werden kann. Die zunehmende Mobilität macht es aber möglich, sich seinen Wohnwunsch in immer ländlicheren und periphereren Gemeinden zu erfüllen. Diese Entwicklung hat allerdings ihren Preis: Immer mehr Landschaftsräume werden verbaut, die Pendlerdistanzen werden länger, der Verkehr nimmt generell zu.
Was im gesamtschweizerischen Zusammenhang als problematisch erscheint, nämlich die Wechselwirkungen zwischen Siedlungs-, Bevölkerungs- und Mobilitätsentwicklung, ist im örtlichen Zusammenhang schwieriger zu beurteilen. Die Gemeinden haben oft gute Gründe, durch Einzonungen und damit verbundenen Bauentwicklungen beispielsweise die Bevölkerung zu verjüngen oder vorhandene Infrastrukturen auszulasten und zu erhalten. Wie ist die Bau- und Bevölkerungsentwicklung im Lätti-Gebiet aus der Sicht der Gemeinde und aus der Sicht der gesamträumlichen Entwicklungen zu beurteilen?